Gespräch mit einem Freund

Er hätte allen Grund glücklich zu sein, ist es nicht! Ich hätte allen Grund unglücklich zu sein, bin es nicht! Woran also machen wir unser Glücklichsein fest?

An einem schönen Sonntag morgen hatte ich ein interessantes Telefonat mit einem lieben Freund von mir. Ich lag noch im Bett und schrieb gerade eine geführte Meditation nachdem ich vorher mein Buchprojekt skizziert hatte. Auf seine Frage hin, wie es mir geht erzählte ich ihm, dass ich es manchmal gar nicht glauben kann, wie gut es mir in meinem neuen Zuhause geht. Vor allem, nachdem ich in den Monaten davor einige Kratereinschläge um mich herum verarbeiten musste. Abschied von meiner an Demenz erkrankten Mutter, Abschied meines engsten Kletterpartners und guten Freundes ganz überraschend, Krebsdiagnose einer engen Kollegin, die ich auch als Freundin wertschätze, verbunden mit erhöhter Arbeitsbelastung, Abschied aufgrund von Trennung und Scheidung von meinem alten Zuhause, in dem ich über 20 Jahre gelebt hatte. Und auch gesundheitlich bin ich noch sehr eingeschränkt. Das schon seit Jahren. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr ausgeprägt. Mein Verdauungssystem hatte sich vor einigen Jahren auf „Error“ gesetzt, was dazu führte, dass mein Körper nur wenige Nahrungsmittel aufnehmen kann. Ein großer Einschnitt in meine Lebensqualität. Vor allem, da ich vorher ein Genussesser im wahrsten Sinne des Wortes war und Geselligkeit bei gemeinsamen Essen liebte. 

„Ich hoffe es bleibt so,“ sagte ich lachend. Damit meinte ich natürlich nicht die Kratereinschläge. „Manchmal kommt eine zweifelnde Stimme in mir hoch, die sich fragt, ob das alles nur Verdrängung ist.“

Er antwortete mir: „Es wird so bleiben. Ich finde es spannend, dass du so glücklich klingst, trotz allem. Und ich, ich hätte allen Grund glücklich zu sein, weil ich eigentlich alles habe, fühle mich gerade eher leer, mit wenig Glücksgefühlen.“

„Vielleicht gerade deshalb. Man lernt das Wertvolle im Leben bewusster zu schätzen, wenn du erfährst, dass es nicht selbstverständlich ist.“

„Da kannst du recht haben,“ antwortete er mir. „Ich habe alles. Was ich mir wünsche kann ich mir leisten und trotzdem frage ich mich immer öfter nach dem Sinn des Ganzen.“

Mir fiel dazu ein Spruch ein und ich sagte: „Das Einzige was du sein sollst im Leben ist es glücklich zu sein und andere glücklich sein zu lassen. Was wenn das der Sinn des Lebens ist?“

„Dann habe ich bisher das Glücklichsein noch nicht zum Sinn meines Lebens machen können.“

„Folge der Freude bei deinen Entscheidungen …“ ich musste lachen als ich ihm das sagte. Ich klang weise. Als wenn das immer so einfach wäre.

Wir philosophierten noch eine Weile über Glück und wie wir es erlangen.

Das Gespräch machte mich nachdenklich. Natürlich ist das Glücksgefühl in mir nicht permanent spürbar so wie gerade in dem Augenblick, als er mich anrief. Aber irgendwie schien ich in mir einen Ort gefunden zu haben, an dem das Glück zu Hause ist und auf mich wartet. Unabhängig davon, was im „Außen“ los war. Vielleicht ist das ein Ort in meinem Herzen, vielleicht aber auch ein Ort hinter einer Tür, die wir Menschen oft verschlossen halten. Die ich mich selbst auch das erste Mal nur voller Angst habe öffnen trauen. Die Türe die mich in die Tiefe führte, in die Stille. Zu mir oder wie es oft auch schön ausgedrückt wurde, zu meinem wahren Sein. Zur Begegnung mit meiner Seele. Oder auch mit der Quelle. Je öfter du hier verweilst, desto stabiler kannst du diese Erfahrung mitnehmen in die Welt und auch in herausfordernden Situationen in deinem Leben als Ressource nutzen. Festhalten kannst du diese Momente nicht. Zumindest ich nicht.

Schöne Worte, doch wie kann man sich das vorstellen? Eckart Tolle würde es wahrscheinlich als den gegenwärtigen Augenblick bezeichnen. Stille spricht – einer seiner Buchtitel. Meist empfinden wir Menschen die Stille eher unangenehm und laut. Weil unser Verstand die Gelegenheit nutzt, um sich mit seinem Geplapper bemerkbar zu machen. „Affengeist“ setzt sich durch, wenn du die Stille anfangs üben willst. Und deinen Geist zur Ruhe bringen möchtest. Gerade so, als ob dir dein Verstand damit zeigen will, wie wichtig er ist. Und wie wichtig es ist auf ihn zu hören.

Regelmäßiges Meditieren hat mich darauf trainiert, den „Affengeist“ lächelnd so lange zu beobachten, bis er aufgab. Dabei heißt meditieren nicht nur im Schneidersitz und aufrechtem Rücken in einer angestrengten Haltung stundenlang auszuharren. Meditieren kannst du auf viele unterschiedliche Weisen. Meiner Erfahrung nach ist es sinnvoll sich die Art herauszusuchen, die einem liegt. Anstatt sich zu etwas zwingen und die Freude daran zu verlieren, nur weil es in einem Buch als die beste Meditationspraxis beschrieben wird. 

Ich gehe zum Beispiel alleine in der Natur spazieren und beobachte bewusst meine Gedanken. ‚Sei dir gewahr was dir in jedem Augenblick begegnet.‘ Oder ich setze mich in meinen Garten und lausche meinem Atem. Zähle die Atemzüge. Je öfter du das machst und immer wieder innehältst, desto bewusster wird dir auffallen, womit du dich mit deinen Gedanken, in deinem Geist beschäftigst. Anfangs habe ich sehr oft feststellen dürfen, dass mir diese Gedanken sicher nicht dienlich sind, wenn ich das Glücklichsein suche. Zur Meditation kannst du sogar auch alltägliche Aufgaben machen, wie zum Beispiel ‚Putzen‘ oder ‚die Straße kehren‘…

Eine einfache praktische Übung findest du in den Lehren des Jin Shin Jyutsu – heißt übersetzt: Die Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen. Oft wird es auch als japanisches Heilströmen bezeichnet.

Hier setzt du dich bequem hin und gibst dir selbst eine große Umarmung indem du deine Hände mit Daumen nach vorne unter deine Achselhöhlen schiebst. Dann beginnst du in dieser Haltung bewusst 36 Atemzüge zu zählen. Wenn du abschweifst und herauskommst, beginnst du wieder von vorne. Bis du die 36 Atemzüge bewusst erlebt hast.

Diese Übung ist einfach, kann überall praktiziert werden und hat eine positive Wirkung auch auf dein ganzes Körpersystem. Mehr zu dieser Übung findest du auch in meinem Blogbeitrag „Gib dir eine große Umarmung“ wenn du auf unten folgenden Button klickst.

Und damit wünsche ich euch allen auf dem Weg in die Stille, oder zu euch selbst, viele glückliche Momente.

Alles Liebe für euch
Gabi

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