Der Garten mein Lehrmeister
Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer. Manchmal anders als erwartet. Ich hatte nicht gedacht, dass er in Form meines neuen Gartens auftauchen wird. Aber tatsächlich, Spirit spricht auf jede nur vorstellbare (manchmal auch unvorstellbare) Weise zu uns.
Zu mir sprach er dieses Mal in der Natur. Nur nicht, wie ich es sonst gewohnt war in den Wäldern, freien Wiesen und Feldern, den Bergen, Flüssen und dem Meer. Er sprach zu mir in meinem kleinen neuen Garten um das Haus, in das ich neu eingezogen war. Dieser kleine Garten wurde mein Lehrmeister für Geduld, Zuversicht, Intuition, Akzeptanz und göttliches Timing ;-).
„Du kannst noch so sehr am Grashalm zupfen, er wächst nicht schneller.“ – Afrikanisches Sprichwort
Diese Weisheit durfte ich wortwörtlich beim Ansäen der 35 qm2 Rasenfläche erfahren. Mein erster eigener Rasen. Sonst hatte ich mich zwar gerne um die Pflanzen im Garten meines ehemaligen Domizils gekümmert, den Rasen hatte ich allerdings immer meinem Exmann überlassen. 35 qm2 waren ja überschaubar, ein guter Anfang also. Vier- bis fünfmal am Tag durfte ich ihn gießen und begutachtete dabei kritisch, wann denn hier endlich ein Grashalm aus der braunen Erde wachsen würde. Doch so oft ich auch konzentriert den Boden beäugte, die ersten Tage passierte nichts. Die Erde blieb braun, auch nach den acht Tagen, die mein Gärtner mir vorhergesagt hatte.
Lediglich ein paar „alte“ Grashalme aus dem umgepflügten Erdreich erschienen erneut an der Oberfläche. Nach 2-3 Wochen sollte ich das erste Mal den Rasen mähen können? Auch das hatte mir der Gärtner erklärt.
Skeptisch betrachtete ich jeden Tag beim Wässern der angesäten Fläche die braune Erde. Ich fing an zu zweifeln, ob ich genügend gegossen hatte oder ob der Rasensamen vielleicht nicht mehr ok war. Am Tag 10 als ich schon beim Gärtner nachfragen wollte, glaubte ich endlich ein paar junge Grashalme in größeren Abständen zu entdecken. Du glaubst es nicht, was ein paar kleine Grashalme für eine Freude in einem auslösen können. Bei mir zumindest. Unvorstellbar allerdings war es noch, wie ich bei diesen zarten Halmen in ein paar Tagen den Rasenmäher einsetzen sollte. Ohne die jungen Gewächse gleich wieder auszurupfen.
Ich übte mich also brav in Geduld und Zuversicht. Sie wurde in den nächsten Tagen mit einem zarten grünen Flaum belohnt, der sich langsam über die 35 qm Fläche ausbreitete. Die zweite Lektion auf dem Lehrplan von Spirit.
Die erste hatte ich bereits vor dem Ansäen erhalten. Göttliches Timing in Form von Gewitter und Regen. 2 Tage Gärtnerarbeit waren vereinbart worden. Inklusive Rasenansaat und Teichfolie verlegen. Am Donnerstag wurde der Boden vorbereitet und ein Teil gepflastert, alte Begrenzungssteine entfernt und die Fläche für den geplanten
Teich mit Wasserlauf abgegrenzt. Ich hatte gehoct, dass bereits am Nachmittag angesät werden konnte, da sie für abends Gewitter und Regen gemeldet hatten. In meiner Vorstellung war das genau richtig für eine frische Ansaat. Doch der Regen kam schneller als erwartet und die Gartenarbeit musste früher als beabsichtigt beendet werden. Und da für den nächsten Tag wieder Regen gemeldet war, wurde mir angekündigt, dass sie wahrscheinlich nicht weiter machen konnten.
Ich grummelte, hatte ich doch gehoct, dass vor allem der Rasen angelegt werden konnte. Das andere war mir nicht so wichtig gewesen. Genau das hatte ich dem Gärtner auch gesagt. Ich beschwerte mich bei Petrus, dass er den Regen nicht wie prophezeit 2 Stunden später geschickt hatte.
Am nächsten Tag bedankte ich mich bei ihm. In der Nacht hatte es ein Gewitter gegeben, das sich „von“ geschrieben hatte. Beim Betrachten der Wassermassen, die
vom Himmel kamen, hörte ich buchstäblich die Stimme von Spirit, wie er lachte und sagte: „Sei froh, dass der Gärtner so langsam war mit deinem Rasen. Der Rasensamen wäre jetzt durch die leicht abschüssige Fläche auf die andere Seite deines Gartenzaunes auf die Straße geschwemmt worden. Und du hättest alles zusammenkehren dürfen.“
Ich grinste auch. „Ja ich verneige mich in Demut vor deiner Weisheit Spirit,“ dachte ich.
Nichtsdestotrotz betete ich, dass es wenigstens heute hier trocken bleiben würde, damit die „Baustelle“ beendet werden konnte. Ich freute mich auch auf meinen Gartenteich mit Wasserlauf.
Spirit grinste wieder und dachte sich, ok, das ist nicht das Problem.
Und es blieb tatsächlich trocken bei mir in Schwabach. Im Ort aus dem mein Gärtner kam, goss es allerdings wie aus Eimern. Der Termin wurde abgesagt. Auch meine Erklärung, dass es hier trocken ist, half nichts. Die Rasenfräse hatte ihren Geist aufgegeben und musste erst wieder instandgesetzt werden.
„Großartig,“ dachte ich.
Und wieder sah ich Spirit lächeln: „Falsches Gebet“ Das war Lektion Nummer Drei. Ich grummelte erneut vor mich hin und akzeptierte den neuen Termin ein paar Tage später zähneknirschend, jedoch nur zur Rasenansaat. Mehr Zeit war nicht einplanbar, da es Hochsaison war im Gartenbau.
Zwei Tage später war ich froh, dass sie später kamen, denn so konnte ich in Ruhe alles auf mich wirken lassen und ergänzte die Planung um zwei Spalierapfelbäume, eine Treppenstufe und Rasenkantensteine zur Abgrenzung des restlichen Gartens. Das hatte ich am Donnerstag in Bezug auf die Kosten abgewinkt. Nachdem ich den Garten auf mich wirken lassen konnte, entschied ich mich anders.
Inzwischen weiß ich, dass diese ordentliche Version besser zu meinem „Garten Eden“ passte als meine provisorischen günstigeren Lösungen. Es war den Einsatz wert. Spirit grinste wieder. „Gut Ding hat Weile und braucht manchmal Zeit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Lektion Nummer Vier.
So stand ich 1 Woche später, nach der restlichen Arbeit des Gärtners, vor ordentlichen Rasenkanten, einer perfekten Treppenstufe und meiner braunen Fläche, auf der der Rasen entstehen sollte und erfreute mich an den beiden Apfelbäumen, die bereits Apfelblüten trugen.
Die Teichfolie konnten sie zeitlich nicht mehr verlegen. Ich wurde auf 1- 2 Monate später vertröstet.
Ich grummelte wieder. „So war das nicht geplant Spirit. Dann ist der Sommer ja zur Hälfte vorbei.“
Spirit grinste nur wieder. Lektion Vier wurde vertieft und Lektion Zwei wiederholt.
Bereits nach einer Woche stellte ich fest, dass der Bachlauf zum Teich besser von der anderen Seite verlegt werden sollte. Dann hatte ich den Blick von meiner Terrasse aus schöner auf die Wasserfallstufen. Und ich plante eine weitere schöne schattige Sitzmöglichkeit mit Kieselsteinen ein, um den Blick auf den Wasserlauf auch von der bereits bepflanzten Rosenecke genießen zu können. Lektion Vier besser verstanden.
Nur mit der Lektion Zwei Geduld und Zuversicht haperte es noch. Ein Monat verging und der Gärtner meldete sich nicht. Bei meinem Anruf wurde ich vertröstet auf noch einmal zwei Monate. Dann war es Ende August. Das Wetter war in diesem Frühjahr/Sommer suboptimal für Gartenbepflanzung und mein Gärtner war im Terminverzug. Verständlich, und ich spürte auch, dass sie sich sehr um ihre Kunden bemühten.
Aber natürlich grummelte ich wieder. Ich scherzte, dann müsse ich vielleicht schon mal selber anfangen das Loch für den Teich auszuschaufeln. Damit hätte der Gärtner auch weniger Arbeit. Als ich ihm das mitteilte scherzte er zurück „Das käme mir entgegen, denn Schaufelarbeit gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.“
Aus Spaß wurde ernst und ich kaufte mir einen Spaten und fing an zu schaufeln. Gutes Muskeltraining stellte ich fest. Und es machte mir sogar Spaß. Spirit lachte. „Der Garten wird deiner Gesundheit dienen.“
Da das Wetter weiterhin sehr durchwachsen und nass war, verließ mich irgendwann die Zuversicht, dass das mit der Teichanlage noch vor dem Herbst funktionieren würde. Und ich wollte den Sommer in meinem neuen Garten genießen. Also grummelte ich wieder und informierte mich über Pumpen, Teichanlage und Co im Internet. Das Loch hatte ich bereits ausgeschaufelt, dann kann ich ja vielleicht auch die Teichfolie selbst verlegen. Eine Teichpumpe und Reinigungsfilter installieren stellte ich mir nach meinen Recherchen auch nicht so schwer vor. Gedacht getan, ich bestellte alles, von dem ich dachte, dass ich es brauche bei der vom Gärtner empfohlenen Teichanlagenfirma. Was meinen Recherchen entgangen war, war das Gewicht der Teichfolie. Auf Anraten des
Gärtners sollte alles aus einem zusammenhängenden Stück zugeschnitten werden. Teich und Bachlauf. Das hieß 6 x 7 Meter Folie. Da der Preisunterschied überschaubar war, bestellte ich die dickere, festere Qualität. Ich würde mir einiges sparen, wenn ich es selbst machen würde.
Die Lieferung für die Bestellung erfolgte über den Paketversender und sollte in 2 Tagen ausgeliefert werden. Bis auf die Teichfolie. Verwundert stellte ich fest, dass die Folie über eine Spedition mit Terminvereinbarung geliefert wurde. Da dachte ich mir noch nichts dabei. Erst als ich den Lieferschein per Mail 1 Tag vor Lieferung bekam. Die Folie wog mit Palette über 80 kg. Lieferung Bordsteinkante. Das bedeutete ich müsste den Speditionsfahrer abfangen, damit er sie mit seiner Sackkarre vor meiner Garage auf meinem Grundstück abladen würde. Sonst müsste ich die Folie irgendwie selbst in meinen Garten wuchten. Da die Spedition als Anlieferzeit zwischen 08.00 Uhr und 18.00 Uhr angab, würde ich an dem Tag also brav zu Hause auf die Lieferung warten.
Was mir mehr zu denken gab, war die Frage, wie sollte ich eine Teichfolie mit 80 kg Gewicht zuschneiden und verlegen.
Ich grummelte wieder. Spirit lachte. Lektion Geduld und Zuversicht ansatzweise verstanden. „Hilf mir wenigstens, dass mir der Speditionsfahrer das Teil in den Garten fährt. Und wenn es möglich ist, dass er gleich als erstes bei mir am Morgen anliefert, dann müsste ich nicht den ganzen Tag auf ihn warten und Angst haben, die Glocke nicht zu hören,“ bat ich Spirit.“ Ich stellte mir den Wecker auf 07.30 Uhr für den nächsten Tag, damit ich vorbereitet wäre, wenn der Fahrer schon um 08.00 Uhr aufkreuzen würde.
Spirit grinste. Er weckte mich um 05.45 Uhr. Mein Schlafzimmerfenster war offen und ich hörte einen Lastwagen vor meinem Haus anhalten. Geistesgegenwärtig sprang ich aus dem Bett und lief zum Fenster. Tatsächlich lieferte die Spedition die Teichfolie an. Im Schlafanzug riss ich das Fenster auf und rief hinunter, er solle kurz auf mich warten. In
Windeseile zog ich eine Yogahose und eine dünne Fleecejacke über meinen Schlafanzug und rannte barfuß hinunter zur Haustüre. Freundlich stellte er die Palette mit Folie vor meiner Garage ab, nachdem ich das Gartentor aufgesperrt hatte.
Danke Spirit, das war echt knapp.
Spirit lächelte, „du wolltest die Erste sein. Lektion Nummer Drei kann noch verfeinert werden“
Ich musste lachen. Ja tatsächlich, sei vorsichtig mit dem was du dir im Gebet wünscht. Es kann genauestens in Erfüllung gehen.
Am nächsten Tag rief die Gartenbaufirma an. Nächste Woche hätten sie einen Tag, an dem sie mich dazwischenschieben könnten, wenn ich noch will. Ohne lange zu überlegen sagte ich sofort zu. Was soll ich sagen. Beim Beobachten, wie die beiden Gärtner die Folie verlegten war ich nur froh, dass ich das nicht selbst machen musste. Dann stellten sie beim Aufklappen der Folie fest, dass sie durch den Transport zwei Löcher abbekommen hatte. Der Gärtner meinte, das wäre der Vorteil, wenn sie die Folie angeliefert hätten, eine lochfreie Folie, und lachte. Leider habe er auch kein Folienflickzeug im Auto. Ich grummelte und dachte, das kann jetzt nicht wahr sein! Ich sah Spirit grinsen. Er hatte Mitgefühl mit mir. Eine Stunde später gab der Gärtner Entwarnung. Die Löcher waren glücklicherweise so platziert, dass sie im Verschnitt bzw im breiten Rand außerhalb des Teiches waren. Der Teich und der Bachlauf konnten unbeschadet verlegt werden.
Ich dankte Spirit und er lächelte mich wohlwollend an. Hättest du mich früher gefragt, hätte ich dir sagen können, dass der Akt der Bestellung überflüssig war. Keine eiligen Schnellschüsse. Vertrauen auf göttliches Timing, gepaart mit Geduld und Zuversicht, richtige Kommunikation mit mir und daraus die richtigen Entscheidungen treffen. Das ist die Kunst.
„Habe verstanden,“ seufzte ich. „Das nächste Mal wird es besser klappen. Ich sah Spirit wieder grinsen. Er kannte mich gut genug, dass er sich über diese Aussage zu amüsieren schien.
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